Israel Jacobson

* 17.10.1768 Halberstadt
† 14.09.1828 Berlin

Hofbankier, Kommerzienrat, Geheimer Finanzrat

Der Landesrabbiner für den Bereich der späteren Landkreise Gandersheim und Holzminden gründete1801 an der heutigen Jacobsonstraße eine jüdische Freischule. Die ursprünglich rein jüdische Schule diente schon kurze Zeit später der gemeinsamen Erziehung von jüdischen und christlichen Kindern; die christlichen kamen in der Regel aus Seesen und Umgebung, die jüdischen häufig von weit her, sogar aus Amerika, Südafrika und Australien. Im Laufe von mehr als hundert Jahren entwickelte sich diese Schule zum Seesener Gymnasium, das den Namen des Gründers der Schule trägt. Von den Gebäuden der alten Jacobsonschule ist nur noch das 1889 errichtete Schülerheim, das Alumnat, erhalten geblieben. Heute ist dieses ansehnliche, die Innenstadt beherrschende Gebäude das Bürgerhaus der Stadt, in dem u.a. die Stadtbücherei, die Jugendfreizeitstätte, ein Veranstaltungssaal sowie verschiedene Räume für Vereine untergebracht sind.

Israel Jacobson

Bürgerhaus Seesen – Die Geschichte der Jacobsonschule

Das Bürgerhaus wurde in den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts als Alumnat der Jacobsonschule errichtet. 1972 wurde der Schulbetrieb in das Jacobson-Gymnasium im Schulzentrum St.-Annen-Straße verlegt. Nach umfangreichen Umbaumaßnahmen dient das Bürgerhaus seit 1975 verschiedenen Institutionen als Zuhause.

Allgemeines

Diese Seiten sollen die Leistung des Stifters der Schule, des Juden Israel Jacobson, würdigen und sie in das historische Umfeld einordnen.
Sie zeigen die wechselhafte Geschichte der Anstalt, aus der das Seesener Gymnasium hervorgegangen ist. Es ist fraglich, ob Seesen ohne diesen Vorläufer überhaupt ein Gymnasium bekommen hätte.

Die Schulgründung fällt in eine Zeit des geistigen Auf- und Umbruchs. Die Aufklärer des 18. Jahrhunderts forderten unter anderem die Gleichstellung aller Bürger und damit auch der Juden.

Die Aufklärung trug dazu bei, das religiöse Bekenntnis als etwas Privates, Persönliches zu begreifen. Sie vertiefte die Trennung von Kirche und Staat und schuf damit die Voraussetzung, dass auch Andersgläubige als gleichberechtigte Bürger eines Staates christlicher Prägung anerkannt werden konnten.

Der Alltag blieb jedoch von diesen Ideen nahezu unbeeinflußt. Hier bestanden überlieferte antijüdische Vorurteile weiter. Die Lebensverhältnisse trugen nicht dazu bei, die bestehende Trennung aufzuheben. Juden wohnten zum großen Teil in bestimmten Straßen oder gesonderten Stadtteilen, dem Getto. Bis ins 18. Jahrhundert lernten strenggläubige Juden nur soviel Deutsch, wie zur Verständigung unbedingt erforderlich war. Mangelnde Kenntnisse verfestigten tief verwurzelte Vorurteile und führten immer wieder zur Benachteiligung der Minderheit.

Israel Jacobson beabsichtigte mit seiner für Juden und Christen gleichermaßen zugänglichen Anstalt zum einen die Ausbildungsmöglichkeiten zu verbessern. Zum anderen wollte er die unter Napoleon gesetzlich angeordnete Gleichstellung der Juden mit Leben erfüllen. Die Schüler der verschiedenen Konfessionen sollten im täglichen Umgang miteinander gegenseitige Anerkennung und Respekt lernen. Jacobson war davon überzeugt, dass das persönliche Kennenlernen des jeweils Anderen die gegenseitige Achtung fördern und Benachteiligungen für die Zukunft erschweren würde.

Israel Jacobson bemühte sich auch darum, diejenigen Bestandteile der Religionsausübung, die Christen befremdlich erscheinen mussten, neu zu gestalten und dem protestantischen Ritual anzunähern.

Seine Bemühungen als Landesrabbiner zur Reformierung des Glaubens und der Erziehung wurden von reformfreudigen Strömungen innerhalb des Judentums begrüßt. Sie wurden dagegen von den orthodoxen, auf Wahrung der Unterschiede und Andersartigkeit bedachten Juden, abgelehnt und bekämpft. Gerade im Verhältnis von Christen und Juden erwiesen sich gegenseitige Duldung und Anerkennung als nur vorübergehend. Israel Jacobson selbst hat bereits beim Zusammenbruch der napoleonischen Herrschaft befürchtet, dass die Zeit der Gleichberechtigung damit beendet sei. Die Juden verloren ihre Rechte als Staatsbürger und sie sahen sich auch schon im 19. Jahrhundert einem zeitweise aufbrechenden Antisemitismus ausgesetzt.

Unterschwellig wurden die Juden in ganz Europa abgelehnt. In Deutschland steigerte sich diese Ablehnung zur rassistischen Überheblichkeit des Nationalsozialismus und seiner Anhänger und führte schließlich zur Vernichtung von 6 Millionen Juden.

Diese Seiten sollen dazu beitragen, dass die Geschichte der jüdisch-christlichen Erziehung in Seesen, die von den Nationalsozialisten endgültig beendet wurde, nicht in Vergessenheit gerät.

Der Stifter der Schule: Israel Jacobson

Israel Jacobson, geboren am 17.10.1768 in Halberstadt, kam als Handlungsgehilfe nach Braunschweig. Er gründete dort ein Bankgeschäft. Nach dem Tod seines Schwiegervaters Herz Samson wurde er zum Kammeragenten am Hof des Braunschweiger Herzogs Karl Wilhelm Ferdinand ernannt. 1795 trat er die Nachfolge Samsons als Landrabbiner für den braunschweigischen Weserdistrikt an.

Bürgerhaus Israel Jacobson

Kupferstich-Porträt Israel Jacobsons
von F. Tielker, 1809

Als Landrabbiner kannte er die schlechte Schulsituation gerade in kleineren jüdischen Gemeinden. Mit der Gründung eines „Instituts für arme Juden-Kinder“ wollte er die Ausbildungsmöglichkeiten verbessern. Jacobson wählte Seesen, weil es innerhalb seines Landesrabbinerbezirkes lag und weil er mit dem örtlichen Gerichtsschultheißen Carl Friedrich Wilhelm Zincken befreundet war.
Nach der Gründung des „Instituts für arme Juden-Kinder“ im Juli 1801 verlieh der Seesener Magistrat Israel Jacobson als erstem Juden das Bürgerrecht. Am 24.2.1804 wurde Jacobson und seine Nachkommen „naturalisiert“, das heißt, sie erhielten die gleichen Rechte wie die christlichen Bürger des Herzogtums.
Foto Zeitungsmeldung Naturalisation

Zeitungsmeldung über die Naturalisation Israel Jacobsons

1806 starb Herzog Karl Wilhelm Ferdinand. Sein Nachfolger kämpfte mit Preußen gegen Frankreich. Nach Napoleons Sieg wurde er von Napoleon abgesetzt und sein Herzogtum dem neuen Königreich Westfalen eingegliedert. Jacobson wurde 1808 an den Hof König Jeromes von Westfalen nach Kassel berufen. Als Präsident des neugegründeten „Konsistoriums der Israeliten des Königreiches Westfalen“, der staatlichen Aufsicht über die Religionsausübung, reformierte er die jüdischen Gemeinden und organisierte deren Schulwesen neu.
Nach den Siegen über Napoleon und der Wiederherstellung der politischen Vorkriegsverhältnisse übersiedelte Jacobson 1814 nach Berlin. Er setzte dort seine Arbeit für das Bildungswesen und die Reformierung des jüdischen Glaubens fort.

Er verstarb in der Nacht vom 13. zum 14.9.1828 an einem Blutsturz.

Schulgeschichte

Die Aufklärung des 18. Jahrhunderts löste mit ihren Vorstellungen von Vernunft, Humanität und religiöser Toleranz Bemühungen zur Gleichstellung auch der Juden aus. Neben der Gesetzgebung galt den Aufklärern die Erziehung als ein Weg zur Verbesserung der Lage der Juden.

Foto Stundenplan

Ein Stundenplan aus den Anfangsjahren der Schule

Obwohl Bildung bei den Juden äußerst hoch bewertet wurde, war die Schulsituation jüdischer Kinder vor allem in Kleinstädten und auf dem Land trostlos. Sie durften die christlichen Schulen nicht besuchen. Kleinere Gemeinden konnten nur selten ausgebildete Lehrer bezahlen, so dass die Kinder nur das Lesen und Schreiben des Hebräischen anhand von religiösen Schriften erlernten. Die Umgangssprache war Jiddisch, nur wenige Juden sprachen mehr als einige Worte Hochdeutsch. Jacobson beabsichtigte daher, die Lebensverhältnisse jüdischer Kinder durch eine gründlichere Ausbildung langfristig zu verbessern.

Foto Fingerparade

Die „Fingerparade“ der Hausmutter um 1900

Mit der Gründung der Seesener Anstalt setzte er zwei Ideen seiner Zeit um: 1783 war Christian von Dohms Schrift zur Hebung der sozialen Lage der Juden unter anderem durch moderne Bildung erschienen. 1797 hatte der Pädagoge Joachim Heinrich Campe dem Herzog von Braunschweig eine Reform des Volksschulen und ihre Umwandlung zu „Industrieschulen“ vorgeschlagen, in denen neben Lesen, Schreiben und Rechnen auch handwerkliche Arbeiten gelehrt werden sollten. Die praktische Vorbereitung auf Berufe in Handwerk und Landwirtschaft in der Seesener Schule sollte die überlieferte Begrenzung der Juden auf Geld- und Handelsberufe aufbrechen.

Der Schulbetrieb begann am 29.9.1801. Zu den ersten 12 Freizöglingen, die unentgeltlich unterrichtet wurden, kamen sogenannte „Kostgänger“ als zahlende Schüler aus der Stadt.

Ab 1802 besuchten die ersten beiden christlichen Kinder die Schule. Entgegen der ursprünglichen Absicht des Stifters entwickelte sich die Anstalt schon in den ersten Jahren von einer Industrie- zu einer allgemeinbildenden Schule.

Foto Speisesaal

Speisesaal vor 1919

Infolge ständig steigender Ansprüche an die Schulbildung wurden die Lehrpläne mehrmals an die des fortschrittlichen Staates Preußen angepasst. Aus der Volks- wurde die Bürger- und 1862 die Realschule. Auf Drängen von Seesenern und Eltern der Internatsschüler wurde die Schule 1903 zum Realprogymnasium, das den Übergang zu einer bis zum Abitur führenden Schule erlaubte. Nach der Verstaatlichung 1922 verpflichtete sich die Stadt nach langen Verhandlungen die Mehrkosten zu tragen, die durch Einrichtung einer Oberstufe entstanden, so dass 1926 die ersten drei Schüler in Seesen das Abitur ablegen konnten.

Foto Turnunterricht

Turnunterricht auf dem Schulhof vor dem Eingang zur Synagoge um 1900

Foto Handfertigkeitsunterricht

Handfertigkeitsunterricht um 1905

Foto Werkunterricht

Werkunterricht um 1934

Foto Brausbad

Das Brausebad der Schule um 1934

Nach der Übernahme der Regierung durch die Nationalsozialisten 1933 wurden der Direktor und ein Studienrat in den Ruhestand versetzt, zwei weitere Lehrer entlassen. Neuer Direktor wurde ein Mitglied der SA. Die Schüler wurden in den folgenden Jahren im Unterricht „nationalsozialistisch ausgerichtet“. 1945 schloss die Schule. Im Alumnat wohnten verschleppte Personen, vor allem Polen. Die Einrichtung und die Sammlungen der Schule gingen zum Teil verloren.

Am 12.12.1945 begann zuerst in wenigen Räumen wieder der Unterricht. Das Wohnheim bestand noch von 1953 bis 1955 und wurde dann aufgelöst. Seit August 1972 wird im neugebauten Schulzentrum in der St.-Annen-Straße unterrichtet. 1974 wurde die Sekundarstufe II eingerichtet. Ein kurzes Gastspiel im Schulzentrum gab es für die Orientierungsstufe. Sie wurde 1974 eingeführt und 2004 wieder abgeschafft.

Aus der Stiftung Jacobsons für arme Judenkinder entstand eine Stadtschule für Seesen. Bis zur Verstaatlichung 1922 besuchten insgesamt 5829 Kinder die Anstalt, davon 2414 Stadt- und 3415 Internatsschüler. Von 1923 bis zur Schließung des Internats kam die Mehrzahl der Schüler aus der Stadt, nur wenige wohnten im Alumnat. Das Verhältnis von jüdischen zu christlichen Schülern hatte sich schon 1919 umgekehrt: nur noch ein drittel der Schüler waren Juden. Ihre Zahl sank ständig, bis 1937 die letzten sechs jüdischen Schüler nach wiederholten Ausschreitungen seitens der Mitschüler das Institut verlassen mussten.

Das Ziel Jacobsons, jüdischen Bürgern Berufe in Landwirtschaft und Handwerk zugänglich zu machen, scheiterte in Seesen am Widerstand des Magistrats und an der Weigerung der Zünfte, Juden als Handwerksgesellen aufzunehmen.

Die Schulleitung verfolgte die ursprüngliche Absicht Jacobsons weiter und legte besonderen Wert auf die handwerkliche, künstlerische und musische Betätigung der Schüler. Mit Handfertigkeitsunterricht, freiwilligen Bastel- und Spielgruppen, den Schülerübungen im naturwissenschaftlichen Unterricht sowie Anschauungsunterricht auf Wandertagen und mehrtägigen Exkursionen gehörte die Schule zu den praktisch orientierten Reformschulen des Deutschen Reiches. Diese Traditionen werden bis heute gepflegt.

Baugeschichte

Foto Grundriss

Grundriss des Schulgeländes, 1922
Die Zahlen werden im Text erläutert

Im März 1801 kaufte Israel Jacobson vom Bier- und Branntwein Inspektor Friedrich Leopold Meyer ein Budenhaus mit Hintergebäuden, Garten, Bäumen und Gerechtigkeiten an der damaligen Junkernstraße (1).

Foto Erstes Schulgebäude

Das erste Schulgebäude, 1801

Am 3.7.1801 genehmigte Herzog Karl Wilhelm Ferdinand den Betrieb einer Schule für arme Judenkinder in dem umgebauten Haus. Trotz mehrerer Einsprüche des Seesener Magistrats begann im September 1801 der Schulbetrieb, im Oktober bezogen die ersten Internatsschüler die Schlafräume.

1808 vergrößerte ein Anbau das Schulgebäude, 1838-39 blieb die Schule wegen umfangreicher Umbauten geschlossen.

Foto Erster Umbau

Die Schule nach dem ersten Umbau, 1839

Nach 1847 wurde ein als Schlafsaal genutzter Flügel (2) angebaut.

Foto Schlafsaal

Schlafsaal um 1900

Foto Schlafraum

Schlafraum um 1934

Ab 1862 wurden die Schulräume neu gestaltet: Bänke ersetzten die stufenförmige Anordnung. Die Zöglinge erhielten ein „Wohnzimmer“ als Aufenthaltsraum, da zuvor nur die Klassenräume zur Verfügung gestanden hatten. Nach der staatlichen Anerkennung als Realschule 1870 stiegen die Schülerzahlen, so dass Neubauten nötig wurden.

Foto Klassenraum

Ein Klassenraum um 1900

In den Jahren von 1889 bis 1899 veränderten weitere Um- und Neubauten das Gesicht der Schule. Das Alumnat wurde als Schülerwohnheim mit Klassenzimmern, Anbau und Wandelhalle (7-9) neu errichtet, an der Stelle des abgerissenen Internats wurde ein Garten angelegt. 1898 erhielt der Direktor ein neues Wohnhaus (12), das mit dem Schulgebäude durch einen Gang über dem Eingangsportal verbunden war.

Foto Schulgebäude

Ansicht der Schulgebäude vom Schulhof, 1889

Foto Wohnhaus

Schulgebäude, Wohnhaus des Direktors und Synagoge, 1899

Eine Turnhalle (11) ersetzte den alten Turnsaal (5) und das alte Wasch- und Badehaus (4). Ein Gebäude mit drei Krankenzimmern, einer Waschküche und Wirtschaftsräumen (10) vervollständigte 1900 die Anlage.

Foto Turnhalle

Innenansicht der Turnhalle

Foto Turnhalle

Außenansicht der Turnhalle

1872/73 wurden die alten Gebäude teilweise abgebrochen und das Schulgebäude an der Jacobsonstraße (6) errichtet.

Mit der Verstaatlichung der Schule am 15.12.1921 gingen Grundstücke und Gebäude in den Besitz des braunschweigischen Landesfiskus über. Durch das neue Schulverwaltungsgesetz fiel der Grundbesitz 1954 an den Landkreis Gandersheim.

Im August 1972 zogen die Schüler in das Schulzentrum St.- Annen- Straße um. 1975 kaufte die Stadt Seesen die Gebäude. Am 7.4.1975 begann der Abriss, nur das ehemalige Alumnat (7) blieb stehen.

Foto Abbruch

Abbruch des Schulgebäudes 1975

Foto Abbruch

Abbruch der Turnhalle 1975

Die Synagoge

Das griechische Wort „Synagoge“ bezeichnet sowohl den „Versammlungsort“ als auch „die sich versammelnde Gemeinde“. Die Synagoge wird für den Gottesdienst und für Versammlungen der Gemeinde benutzt. Als Zentrum der Gemeinde beherbergt sie die Gemeindeverwaltung, das Lehrhaus und das rituelle Tauchbad. Durchreisenden bietet sie Herberge.

Foto Synagoge

Innenansicht der Synagoge

Zur Innenausstattung des nach Jerusalem ausgerichteten Gebäude gehören eine Wandnische mit dem Schrein für die Thora-Rollen, ein Podest zur Verlesung der Thora, Bima oder Almemor genannt und ein als Kathedra des Moses bezeichneter Ehrensessel.

Die Thora enthält die fünf Bücher Moses mit der Geschichte des Volkes Israel, religiösen Belehrungen, kultischen, moralischen und juristischen Vorschriften, sowie Psalmen und Prophetien. Sie ist die Grundlage des jüdischen Glaubens und der Gemeinde. Jede Woche wird beim Gottesdienst ein Abschnitt der Thora verlesen und erläutert.

Foto Synagoge

Außenansicht der Synagoge um 1930

Vor 1810 benutzte die jüdische Gemeinde Seesens den Betsaal im Schulgebäude. 1805 wurde mit dem Bau einer Synagoge begonnen. Sie erhielt ihren Platz im Innenhof, da Synagogen nicht an Straßen errichtet werden durften. Die Einweihung des nach dem Vater Israel Jacobsons benannten „Jacobstempels“ fand am 17.7.1810 mit einem gemeinsamen christlich-jüdischen Gottesdienst statt. Über dem Tempelportal verwies ein Bibelwort auf die von Jacobson angestrebte christlich-jüdische Verständigung: „Haben wir denn nicht alle einen Vater? Hat nicht ein Gott uns erschaffen?“.

In Anlehnung an christliche Vorbilder verfügte der Jacobsonstempel über eine Orgel. Als weitere Neuerung wurde nicht wie sonst üblich auf hebräisch sondern auf deutsch gepredigt und gebetet. Vor der Hundertjahrfeier der Schule 1901 wurde der Tempel renoviert.

Seit Ende der 20er Jahre wurde die Synagoge nur noch selten benutzt. Zwischen 1933 und 1937 wurde sie mehrfach durch „Volksgenossen“ demoliert. Hebräische Schriften und jüdische Symbole wurden übermalt. Da der Schulhof Aufmarschgelände von Parteiformationen war, empfand man die Synagoge als Ärgernis. Am Abend des 9.11.1938 brannte die Synagoge durch Brandstiftung völlig aus. Der Synagogenwächter Nußbaum starb am 14.11.1938 an den Folgen einer Schussverletzung, beziehungsweise den Folgen von Misshandlungen. Die genaue Todesursache konnte auch ein Gerichtsverfahren nach dem Krieg nicht klären.

Foto Brand der Synagoge

Die Synagoge wurde in der Reichspogromnacht niedergebrannt.

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